Schule

Dienstag, 10.07.2012:

Da wir hier nur manchmal und wenn dann immer nur recht kurz ins Internet können, wir aber einen Laptop dabei haben, tippen wir unsere Blogeinträge meistens am Laptop, um sie dann posten zu können, sobald wir Internet haben. Deshalb stimmt das Datum, an dem der Eintrag geschrieben wurde, nicht immer mit dem Datum, an dem er gepostet wurde, überein.

Am Freitag haben Nadine, Nikolas und ich zum ersten Mal an der Schule geholfen. Ursprünglich war geplant, dass ich an einem Kindergarten helfe, jedoch wussten die Schwestern hier in Indien gar nichts davon. Sie dachten, dass wir alle drei an der Schule hier helfen wollen. Das erklärt auch, warum wir entgegen unserer Erwartungen alle zusammen hier wohnen und nicht an unterschiedlichen Orten in Wardha.

Auch wenn es anders geplant war, helfen wir jetzt einfach alle direkt hier an der Schule. Die Schwestern haben mir erklärt, dass es sowieso schwierig sei, an einem Kindergarten zu helfen, da die Kinder dort so gut wie kein Englisch sprechen können. Das waren auch meine Bedenken gewesen, aber ich dachte, dass es schon irgendwie klappen würde. Nach den ersten Tagen hier an der Schule habe ich meine Meinung darüber aber geändert und ich sehe auf jeden Fall ein, dass es keinen Sinn machen würde, in einem Kindergarten zu helfen. Denn ich musste feststellen, dass selbst die Erstklässler noch nicht gut Englisch können. Von daher war es teilweise recht schwierig, sie zu unterrichten. Ständig kam ein Kind zu mir und hat mich auf Hindi etwas gefragt, was ich natürlich nicht verstanden habe. Meine Antwort, dass ich nur Englisch könne, haben die Kinder dann jedoch nicht wirklich verstanden oder verstehen wollen, sodass ständig wieder Schüler zu mir kamen und Hindi mit mir sprachen. Das machte das Unterrichten sehr schwierig, da mein Hindi über „Namaste“ und einige wenige weitere Wörter nicht hinausgeht.

Vor allem der erste Tag war eine große Herausforderung. Wir wurden sozusagen ins kalte Wasser geworfen. Nadine, Nikolas und ich waren alle in einer anderen ersten Klasse und die Lehrer ließen uns gleich am Anfang mit den ca. 50 Schülerinnen und Schülern und einem Schulbuch (oder in manchen Stunden auch ohne irgendeine Angabe, was wir unterrichten sollen) alleine. Das hat uns schon etwas überfordert; vor allem, weil wir gar nicht wussten, wie der Unterricht hier normalerweise so abläuft. Als die Schwestern jedoch abends mitbekamen, dass wir ganz alleine in einer Klasse waren, haben sie mit den Lehrern geredet. Und jetzt wird es wirklich von Tag zu Tag besser. Inzwischen ist eigentlich fast immer ein Lehrer dabei und ich helfe entweder z.B. beim Korrigieren oder ich halte die Stunde alleine und der Lehrer unterstützt mich, wenn jemand etwas auf Hindi wissen will oder die Klasse zu laut wird. In manchen Stunden sind wir auch mit den Schülern alleine, aber dann haben wir inzwischen zum Glück meistens eine Vorgabe, was wir so unterrichten sollen und falls nicht, wissen wir jetzt schon einigermaßen, was wir mit den Kindern üben können. Es ist immernoch nicht einfach, aber so langsam wird es auf jeden Fall besser.

Außerdem soll eigentlich jeder von uns seinen eigenen Stundenplan bekommen, sodass wir nicht nur in der ersten Klasse helfen  und unterrichten, sondern auch in anderen Klassen. Das wäre gut, weil wir dann 1. immer wüssten, welches Fach die Kinder jetzt haben und wir 2. bei Fächern wie Hindi nicht mehr zuschauen müssten sondern immer etwas zu tun hätten. Allerdings hat das mit dem Stundenplan bisher noch nicht funktioniert und wir wissen auch nicht so genau, wann wir ihn bekommen werden. Aufgrund der indischen Mentalität rechnen wir jedoch nicht damit, ihn so bald zu bekommen 😉

Ansonsten ist es schon ziemlich beeindruckend, was die Kinder hier in der ersten Klasse so leisten müssen. Die Erstklässler sind genau wie in Deutschland im Schnitt 6 Jahre alt. Neben Fächern wie Mathe lernen sie aber Englisch, Hindi und Marathi, also gleich drei Sprachen. Das finden wir schon ziemlich beachtlich.

Neben dem Helfen an der Schule machen wir momentan noch nicht so viel, da wir das Gelände hier noch nicht wirklich verlassen dürfen. Wir warten noch darauf, dass wir bei der Polizei registriert sind. Dennoch gibt es hier natürlich viele neue Eindrücke. Zum Beispiel saß am Freitag, als ich aus dem Fenster schaute ein Affe auf dem Baum direkt vor unserem Fenster! Das Zimmer von Nadine und mir ist im ersten Stock, sodass er mir wirklich direkt gegenüber saß. Da war ich erstmal ziemlich überrascht. Ich habe mir sofort meine Kamera geschnappt, um ihn zu fotografieren und da habe ich bemerkt, dass uns eine ganze Gruppe von Affen besuchte. Es waren so ungefähr acht, darunter auch eine Mama mit ihrem Baby. Wie schön, wenn direkt vor deinem Fenster eine Gruppe Affen herumtollt! 🙂

Ansonsten bekommen wir zum Beispiel viele Hochzeiten mit. Hochzeiten werden hier mit lauter Musik und Feuerwerk gefeiert, sodass man es auf keinen Fall überhören kann. Beobachtet habe ich aber leider noch keine, auch wenn bei Hochzeiten immer etwas wie eine Parade stattfindet und das Brautpaar mit vielen anderen Leuten durch die Straßen zieht. Da die Straße vor unserem Haus hier recht groß ist, ziehen auch viele Hochzeiten direkt hier vorbei. Von daher denke ich, dass ich bestimmt noch bei mindestens einer die Chance haben werde zuzuschauen.

Ich freue mich auf morgen, da für morgen ein Ausflug nach Nagpur geplant ist! Darüber werde ich dann natürlich auch berichten.

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