Eine andere Welt

Nun sind wir jetzt schon zwei Wochen in Wardha, Indien. Und immernoch haelt der Kulturschock an. Die lange Reise nach Nagpur ueber Mumbai hat schon viele Gesichter Indiens gezeigt und je laenger wir hier sind, desto mehr wird klar, dass Indien ein Land mit einer kulturellen Vielfalt ist, wie wir es uns kaum vorstellen koennen.
Am Flughafen angekommen, begruessten uns zwei uns sehr vertraute Gesichter. Merle und Clara, die aus Pune fuer 10 Tage in Wardha zu Besuch waren, haben uns in Empfang genommen und die wohl hilfreichsten Tipps direkt weiter gegeben. Auch jetzt telefonieren wir regelmaessig nach Pune, um uns gegenseitig ueber die neu gewonnen Erfahrungen zu berichten.
Wir wohnen hier bei den Johannesschwestern in Pipri, Wardha in der Agragami High School. Dort geben wir Englischunterricht, besonders ist unser Unterricht auf Leseverstaendnis und Aussprache ausgelegt. Franziska betreut die Klassen 1-4 und Katja 5-7. Aller Anfang ist bekanntlich schwer und genauso erging es uns. Es war sehr ungewohnt, vor einer Klasse zu stehen, die minimum 60 Schueler hat, doch hier herrscht eine Disziplin, wie man es sich kaum vorstellen koennte. Besonders mit den Kleinen haben wir Probleme, uns auf Englisch zu verstaendigen. Selbst dazu reichen unsere neu erlernten Hindi-Kenntnisse nicht aus. Unser Tag beginnt um 7 mit dem Fruehstueck, danach bereiten wir uns auf den Unterricht vor. Um 14.10 Uhr ist die Schule vorbei und es gibt erstmal ein reichhaltiges Mittagessen. Danach haben wir erstmal eine Ruhepause, da bei dem feuchtheissem Klima nicht sehr viel Anstrengung moeglich ist. Nach dem Tea um 16:30 Uhr spielen wir oft mit dem Sohn unseres Fahrers Badminton, Stadt-Land-Fluss oder UNO. Er schwaermt noch heute von den deutschen Maedchen, die vor zwei Jahren hier gewesen sind. Um 18:30 Uhr beginnt das Abendgebet und danach gegen 20:00 Uhr steht mal wieder ein grosses Essen auf dem Plan. Auch daran muessen wir uns erstmal gewoehnen, bei solchen Temperaturen so viel zu essen. Es gibt Reis und Fladenbrot, dazu verschiedene Sossen und Gemuese, das wir oft noch nie vorher gesehen haben. Zu besonderen Tagen gibt es auch Huehnchen oder Fisch. Unser neues Lieblingsobst ist eindeutig Mango geworden, welche unvergleichlich lecker schmeckt…
Wenn wir mit der Rikscha oder unserem  Jeep in die Stadt fahren, werden wir von allen Seiten bei jeder Bewegung beobachtet. Aber seitdem wir in traditionell indischer Tracht gekleidet sind, wird es besser und auch wir gewoehnen uns daran, dass wir eben Fremdlinge sind.
Besonders in der Stadt  sind die Kontraste zwischen bitterer Armut und vermeindlichem Reichtum zu gut zu erkennen. Neben Wellblechhuetten oder improvisierten Zelten werden hochmoderne ADIDAS Shops hochgezogen. Hier lebt alles von den Polaritaeten und wir koennen mit unserem deutschen Verstaendnis nicht nachvollziehen, wie man mit so einem niedrigem Standart gut ueber die Runden kommen kann. Als Beispiel koennen wir unsere Kleidung, die auf uns zugeschneidert wurde, nennen. Die sehr aufwendige Naeharbeit hat pro Montur ganze 2 Euro gekostet, oder die Medikamente, die weniger als ein Bruchteil von unserem Standart kosten.
Letzte Woche haben wir mit einem typisch indischem Klapperbus einen Ausflug nach Hinganghat gemacht. Ein Wunder ist, dass wir lebendig angekommen sind, da sowohl die Strassen mehr als zu wuenschen uebrig lassen und der Fahrstil mehr als beaengstigend ist. Zitat einer Schwester: „Wenn man in Indien Auto fahren kann, ueberlebt man auf der ganzen Welt.“ Das koennen wir nur bestaetigen… 🙂
In Hinganghat angekommen, wurden wir von den dort lebenden Schwestern herzlich begruesst und uns wurden die dortigen Schulen gezeigt. Dort herrscht eine ganz andere Welt, als bei uns in Wardha. Alles ist gruen und man lebt abseits von der lauten und dreckigen Stadt. Um die Schulen herum sind sehr viele Gaerten und es wird viel Land- und Viehwirtschaft betrieben. Hier trafen wir Sr. Manisha, die fuer zwei Jahre am Theresianum gelebt und gearbeitet hat. Sie hat uns die Naehschule, die dazugehoerigen Internatsgebaeude, sowie das Konvent gezeigt. Alles natuerlich in sehr gutem Deutsch.

Heute fahren wir in das Hauptgebaeude der Johannesschwestern in Mhasala, Wardha und feiern dort den Namenstag von Sr. Venita. Hier wird nicht der Geburtstag, sondern der Namenstag gross gefeiert.

Sr. Venita

Uns geht es hier sehr gut, die Schwestern sind sehr gastfreundlich und versuchen, uns den Aufenthalt hier so angenehm wie moeglich zu bereiten.

Bis zum naechsten Mal.

Franziska und Katja

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