Erster Blog

Hallöchen und willkommen zu meinem Blog! Ich bin zur Zeit mit meiner Freundin Lisa in Thoothoor im Bundesstaat Tamil Nadu, Indien. Thoothoor ist ein kleines Fischerdorf an der Küste des indischen Ozeans, in dem 1800 christliche Familien leben.
Seit dem 16.10.2017 sind wir nun hier in dem St.John’s convent und leben uns erfolgreich in den Alltag unseres Umfeldes ein.
Abgeholt wurden wir am international airport Trivandrum von Sr.Roshni, der Schulleiterin der St.John’s Matriculation school, die es seit 2011 gibt.
Als wir den kleinen Flughafen verließen, wurden wir erst einmal von dem tropischen Wetter umhüllt. Wären wir nicht kurz danach in das klimatisierte Auto gestiegen, wäre ich in meinem Pulli, meiner Jogginghose und meinen Sneakers eingegangen.
Als der Autofahrer einstieg war ich erstmal total verwirrt. Ich wusste nicht, dass man in Indien auf der linken Straßenseite fährt.
Beim hochschauen sah ich die Unmengen an Palmen von denen wir umgeben waren. Es war ein super schöner und ungewohnter Anblick, der an Urlaub erinnerte und eine gewisse Ruhe in mir aufbrachte.
Auf der Autofahrt haben wir unsere erste Kokosnuss genießen können. Außerdem haben wir einige Erledigungen gemacht, wie Gemüse, Fisch und Obst zu kaufen und konnten dabei den Einheimischen bei ihren alltäglichen Aufgaben zuschauen.

Schwester Roshni auf dem Gemüsemarkt

Kurz danach kam die Müdigkeit hoch, die ich bis dahin erfolgreich vertrieben hatte und so viel ich den Rest der Fahrt in ein Schlafkoma.
Bei unserer Ankunft am convent stellte sich Sr. Sunanda, die Vorgesetzte und älteste Nonne am convent, uns vor. Wir gingen zunächst ins convent, welches ein kleines Häuschen mit einem schönen Vorgarten ist.

Das St.John’s Convent in Thoothoor

Sr. Sunada sagte uns die Uhrzeiten für die Mahlzeiten und zeigte uns unser Zimmer.
Unser Zimmer ist über der Schule und der einzig fertiggestellte Raum im Neubau, weshalb wir an einigen Klassenräumen vorbeikamen. Wir kamen an einem Montagmittag an und begegneten somit den ersten Schülern, die mit großen, erstaunten Augen zu uns sahen und auf uns zeigten. Das ging die nächsten zwei Wochen auch noch so und wird sich bei den Kindergartenkindern wohl nie komplett ablegen :D.
In unserem gemeinsamen Zimmer erwarteten uns zwei Betten, ein Tisch, zwei Stühle, ein Schrank, der in zwei Bereiche unterteilt ist und ein eigenes Bad. Nachdem wir uns bedankten und unsere Sachen abstellten, lies Lisa sich erschöpft auf das Bett fallen und musste schmerzhaft feststellen, dass es sich um ein Holzbett handelt und deshalb keine Federung wie bei unseren Lattenrostbetten hat 😀

Einige Kleinigkeiten sind mir über den Bau und die Bestattung der Räume aufgefallen. Erstens sind die Decken ziemlich hoch, zweitens sind an den ganz oben an den Wänden Spalten, die, wie mir später erklärt wurde, dazu dienen, dass die warme, aufsteigende Luft ausströmen kann. Drittens befindet sich der Duschkopf einige Meter vom WC entfernt, wodurch es keine Abtrennung dieser zwei gibt. Am Waschbecken stellten wir fest, dass man den Wasserhahn nur in eine Richtung drehen kann und es dementsprechend nur kaltes Wasser gibt, was bei dem Wetter nicht anders zu erwarten war. Das gleiche gilt für die Dusche.

Lisa hatte einen universalen Adapter für die Steckdosen dabei, was nicht notwendig war. Wir konnten unsere gewöhnlichen Ladekabeladapter benutzen. Das einzige, was wir nicht wussten ist, dass man den Strom für jede Steckdose an- und ausschalten kann. Das vergessen wir nach einem Monat Aufenthalt teilweise immer noch und wundern uns immer wieder, weshalb der Ventilator nicht funktioniert oder unsere Handys nicht laden :D.
Nachdem wir unseren Kleiderschrank eingeräumt und uns umgezogen hatten, gingen wir zum Mittagsessen runter. Es gab Reis, Bohnen und irgendein Gemüse, was ich zu dem Zeitpunkt nicht genau identifizieren konnte und Fischcurry. Mit den 5 Schwestern saßen wir also gemeinsam am Esstisch und freuten uns über unsere erste Mahlzeit in Indien. Nach dem Tischgebet zögerten Lisa und ich ein wenig, weil wir nicht wussten wie was womit gegessen wird. So sahen wir erst einmal den Schwestern beim anrichten ihrer Teller zu und machten alles nach. So wie sie, fingen auch wir an mit unseren Händen zu essen, was zum Erstaunen von Sr. Roshni führte. Lachend sagte sie zu uns, das wir auch Besteck haben und dies benutzen können. Noch überraschter war sie dann, als wir verzichteten. Ich war es durch meine äthiopischen Wurzeln gewohnt Fladen mit Händen zu essen. Reis hingegangen war ne eigene Nummer für sich. Es war schwer alles zusammen zuhalten und auf der Strecke vom Teller zum Mund nicht fallen zu lassen 😀 Immerhin hatten die Schwestern Spaß daran uns zuzuschauen. Alles hatte eine gewisse Schärfe, was unheimlich angenehm war, auch wenn ich das ein oder andere mal zu meinem Glas Wasser greifen musste.
Bevor unsere Reise nach Indien losging, sprach ich mit einigen Freunden und Bekannten, die schonmal in Indien waren. Das erste was mir alle ans Herz legten war kein Leitungswasser und wenn, nur abgekochtes zu trinken. Beim Essen sollte ich mich informieren wo es herkommt und darauf achten keine Früchte mit Schale zu essen. Über all das, kann ich jetzt nach vier Wochen sagen, müssen wir uns hier keine Gedanken machen! Das Wasser wird durch eine Pumpe gefiltert und sauber ausgegeben. Der Fisch wird frisch gefangen und gekauft; bietet sich durch die Nähe zum Meer natürlich super an. Mango- und Papayabäume haben wir hier im Garten. Alles wird frisch zubereitet. Über alldem hinaus vertraue ich den Schwestern. Sie kennen mit allem aus und wollen nur das beste für uns!

In der ersten Wochen unseres Aufenthalts haben wir versucht unseren Jetlag in den Griff zu kriegen. Indien liegt Deutschland zeitlich dreinhalb, nach der Umstellung zur Winterzeit sogar viereinhalb Stunden, voraus.
Tagsüber haben wir uns um einige Formalitäten gekümmert. Dazu gehörten der Polizei von unserer Ankunft und unserem Vorhaben mitzuteilen, damit uns unangenehmheiten erspart bleiben, eine SIM Karte fürs Handy zu organisieren, damit wir unsere Familien und Freunde kontaktieren können und Shopping.
Die Schwestern rieten uns indische Klamotten zu kaufen, bevor wir in den Unterricht gingen.
Lehrerinnen tragen hier nämlich einheitliche sari’s, ein traditionelles Kleidungsstück für Inderinnen. Damit wir Kleidungstechnisch gut bestattet sind, begleitete uns Sr.Roshni bei unserer Shoppingtour und half uns bei der Auswahl von Stoff und Farben.
Nachmittags beim Kaffee hat uns Sr.Anupa Sätze auf Hindi , wie ,wie heißt du?‘, ,wie gehts dir?‘, ,wo wohnst du?‘ und deren jeweilige antworten beigebracht.
Sonntag morgens um 8 Uhr besuchten wir zum ersten Mal den Gottesdienst. Die Kirche ist groß und dementsprechend ist auch die Gemeinde groß. Während wir von einigen Schülern, die wir erkannten nett begrüßt wurden, starrten uns alle anderen an. Wir waren natürlich nicht zu übersehen. Lisa ist groß, hat helle Haut, blaue Augen und blonde Haare. Ich bin nochmal größer als Lisa und hab lockige Haare. Auch wenn wir indische Kleider anhatten, fielen wir auf. Der Gottesdienst sollte ein englischer sein. Dies wurde nur zum Teil erfüllt. Gesungen und gebetet wurde in englisch, die Predigt und die Fürbitten waren jedoch in Tamil.
Am selben Sonntag machten wir einen kleinen Ausflug an den Strand. Am späten Nachmittag nahmen wir den Bus, der uns ans Ende von Thoothoor brachte. Von dort aus liefen wir eine kleine Strecke bis wir da waren.

Wir liefen am Wasser entlang, schrieben in den Sand und genossen den Sonnenuntergang.

Nach zwei Wochen hatten wir alle Klassen besucht und kennengelernt. Die Schüler sind alle sehr neugierig und freuen sich, wenn sie mit uns reden können. Im Unterricht hat es sich als schwieriger herausgestellt mit manchen Schülern zu reden. In den jüngeren Klassen können die Schüler wenig bis gar kein Englisch. Sie verstehen nur kurze unkomplizierte Wörter, da sie gerade erst die Sprache lernen, daher haben wir mit ihnen Spiele gespielt, Bilder gemalt und ihnen Lieder beigebracht, die sie in der nächsten stunde Stolz wiedergaben.
Mit älteren Klassen hingegen können wir richtige Unterhaltungen betreiben, da sie auch direkt auf uns zukommen, sowohl in- als auch außerhalb des Unterrichts. Das machte es für uns leichter mit Ihnen zu reden und einen Eindruck zu bekommen, wie gut sie englisch können. Anfangs war es schwierig ihr indisches englisch zu verstehen, mittlerweile haben wir kaum noch Probleme.
An das typische Kopfschütteln das man aus Filmen von Indern kennt mussten wir uns auch gewöhnen. Wenn im Unterricht Schüler gefragt haben, ob sie auf Toilette dürfen und ich mein Kopf geschüttelt habe, meinte ich ,nein‘, musste mich dann schnell daran erinnern, dass es hier als Zustimmung oder Bejahung verstanden wird.

Wie ich vorher erwähnt habe ist unser Zimmer über der Schule. 2010 hatten die indischen Johannesschwestern das alte Haus, was jetzt als convent fungiert, gekauft und ließen im restlichen Grundstück 2011 die St. John’s Schule bauen. Es gibt Klassenräume im Erdgeschoss, ersten und zweiten Geschoss. Obendrüber hat man mit Erlaubnis Zugang zum schuldach, was wir direkt am nächsten Tag ausnutzen, um uns einen Überblick über die Gegend zu verschaffen. Neben den Kirchen ist die Schule das höchste Gebäude in Thoothoor. Die Häuser bestehen meist aus einem, Höchsten aus zwei Stockwerken. Mir war nicht klar, wie nah wir am Meer sind bis wir oben auf dem Dach standen. Ich stellte fest, dass wir drei Hausreihen vom Strand entfernt sind. Die meisten Häuser und Straßen wurden von Palmen bedeckt. Neben den grünen Palmen war das blaue Meer also das einzige zu sehen. Sr. Sandhya war mit uns auf dem Dach und gab uns ein wenig Auskunft über das was sie wusste. Sie selbst ist diesen Sommer in dieses convent dazugekommen und kannte sich deshalb nicht allzu gut aus. Sie unterrichten Hindi und leitet mit Sr. Tresa den Schulchor, der auch im Sonntagsgottesdienst für musikalische Unterstützung sorgt.

Unterrichtet wird hier ab dem Vorkindergarten bis hin zur 10. klasse. Bei den Schülern handelt es sich also um drei bis fünfzehnjährige, die von Montag bis Freitag von 8:50 Uhr bis 16 Uhr und Samstags von 8:50 Uhr bis 13 Uhr, in der Schule sind. Für den Kindergarten gelten spätere Ankunft- und frühere Abholzeiten. Der Schultag beginnt jeden Morgen mit einem Gebet, der Hyme von Tamil Nadu und der Schulhymne. Da die Schüler sich anscheinend zuhause nicht für den Unterricht und Prüfungen vorbereiten, werden zusätzlich von 17 bis 20 Uhr ‚extra classes‘ angeboten in denen Schüler ihre Hausaufgaben machen und sich für kommende ‚Exams‘ vorbereiten. Der Schultag endet mit der Nationalhymne.
Auch sonntags nach dem Gottesdienst in der Kirche, die fünf Minuten entfernt ist, verbringen Schüler dieser, aber auch von anderen Schulen ihre Zeit im Schulgebäude, um an Bibelstunden teilzunehmen.

Nach zwei Wochen hatten wir alle Klassen besucht und kennengelernt. Die Schüler sind alle sehr neugierig und freuen sich, wenn sie mit uns reden können. Im Unterricht hat es sich als schwieriger herausgestellt mit manchen Schülern zu reden. In den jüngeren Klassen können die Schüler wenig bis gar kein Englisch. Sie verstehen nur kurze unkomplizierte Wörter, da sie gerade erst die Sprache lernen, daher haben wir mit ihnen Spiele gespielt, Bilder gemalt und ihnen Lieder beigebracht, die sie in der nächsten stunde Stolz wiedergaben.
Mit älteren Klassen hingegen können wir richtige Unterhaltungen betreiben, da sie auch direkt auf uns zukommen, sowohl in- als auch außerhalb des Unterrichts. Das machte es für uns leichter mit Ihnen zu reden und einen Eindruck zu bekommen, wie gut sie englisch können. Anfangs war es schwierig ihr indisches englisch zu verstehen :D, mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt.

Einer der Mädels aus der 10. war so lieb und hat sich die Zeit genommen, um meinen Arm mit Henna zu bemalen 🙂

Fertige Hennabemalung

 

Samstags und mittwochs tragen die Schüler eine besondere Uniform. Jeder Schüler ist in einem der vier Häuser eingeteilt. Es gibt das rote, das grüne, das gelbe und das blaue Haus. Dementsprechend haben die Schüler das tshirt mit ihrer Hautfarbe an. An besonderen Aktivitäten können die Schüler in ihren Gruppen Punkte für ihr Haus sammeln. Zum Beispiel gab es am 10./11. und 13./14 November ‚competitions day‘. Am 10. und 11. gab es ‚culture competitions‘, wo Solo-, Gruppentänze und Pantomime aufgeführt wurden.

Erstklässlerinnen vor ihrem Gruppentanz

Durch drei weiter Aufgaben hatten Schüler Chancen Punkte zu ergattern. Beim ,flower arrangement‘ sollten Schüler wie beim Floristen Blumen ihrer Wahl in eine schöne Reihenfolge anbringen.Die Aufgabe beim ,vegetable carving‘ war es aus Gemüse Dekoration zu schnitzen. Ein Schüler schnitze aus einer Zwiebel eine Lotusblütenform, während eine Schülern aus der Schale einer Tomate eine Rose zusammenrollte. Die letzte Aufgabe bestand darin ein schönes Design zu malen. Dazu malten die Schüler mit Kreide Vorlagen auf dem Schulhof und füllten diese mit Farbenpulver aus.
Zwei bis drei Juroren verteilen dann die Ergebnisse.

Farbpulver in Einsatz

Am 13. und 14. waren ,Sport days‘. Diese ähneln unseren Bundesjugendspiele. Erst treten alle in einem Haus gegen einander an, anschließend die besten aus jedem Haus. Die Punkte gehen dann an das jeweilige Haus. Zusätzlich wird Fußball und zwei indische Sportarten, die wir neu kennenlernten, Kabaddi nd Kho Kho, gespielt. Vorallem auf Kabaddi war ich sehr gespannt, da so viele Schüler mir davon erzählt und versucht hatten das Spiel zu erklären. Ich fands sehr spannend und war sehr erfreut zu sehen, wie konzentriert und voller Freude die Schüler die Spiele angingen.
Nebenbei lief immer Musik, die für super Laune gesorgt hat. Es gab ein Lied auf Tamil, das die Schüler besonders mochten. Sobald es anging sprangen alle hoch, bildeten kleine Gruppen und tanzten was das Zeug hält. Lisa und ich liefen mit der Kamera rum und machten Fotos (oder beauftragten viel mehr Schüler Fotos für uns zu machen, was sie mit großer Freude machten), spornten Schüler dazu an ihre Teams anzufeuern und tanzten mit den Schülern so gut wie konnten. Diese Tage erlaubten uns die Schüler noch besser kennenzulernen und stärkten unsere Bindung zu ihnen sehr stark!
Am 14. war außerdem children’s day. Lehrer übernehmen die Planung und Ausführung für die Essembly, die sonst von den Schülern durchgeführt wird und bereiten einige Programmpunkte für die Schüler vor. Einen Abend zuvor hatten wir also ein Treffen mit allen Lehrerinnen und übten einen kleinen Tanz ein.
Ich hatte Spaß und wie ich im nachhinein erfahren durft, die Schüler auch.

So, ich denke das beschreibt bis zum jetzigen Augenblick unseren Aufenthalt. Ich hoffe was ich erzählt habe hat euch gefallen. Schaut auch mal bei Lisas Blog vorbei 🙂
Bis zum nächsten mal !
Liebe Grüße
Kine

 

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