Indienbericht – 28. und 29. Juni 2015 – Abschluß

An diesem Sonntagmorgen mussten wir um 4 Uhr aufstehen und um 5 Uhr frühstücken. Dann fuhren wir mit Sr. Lissy und Sr. Manisha mit Sack und Pack zum Flughafen in Nagpur. Dort gab es beim Einchecken keine Probleme mit Gewicht oder Inhalt der Gepäckstücke. Mit unseren Gepäckanhängern mit Sicherheitsstempel an jedem Gepäckstück warteten wir auf unseren Flieger, der uns nach Delhi bringen sollte.

Ab Delhi wurden wir von einem Sr. Veena bekannten Geschäftsmann gesponsert. Das ging damit los, dass am Flughafen zwischen den vielen Taxifahrern ein Mann mit einem Schild „Welcome Sr. Veena“ stand. Es war der Taxifahrer, der uns den ganzen Tag über fahren sollte. Das Taxi war ein besonderes. Hinten saßen Pater Johannes und ich in bequemen Einzelsesseln. Vor der Abfahrt gab es für jeden eine Flasche gekühltes Mineralwasser. Zunächst fuhren wir eine Stunde durch die Großstadt Neu-Delhi, deren Ausmaße wir beim Anflug schon in Augenschein genommen hatten. Die prächtigsten Gebäude waren internationale Banken. Die Namen großer Modelabel standen auf den Fenstern exklusiver Geschäfte – und dazwischen immer wieder die Stände und kleinen Hütten mit den „Geschäften“ der Armen. Dann fuhren wir etwa zweieinhalb Stunden Autobahn. Hier durfte man immerhin im Schnitt 80 km/Std. fahren. Vom Flughafen bis Agra, der Stadt mit dem Taj Mahal, waren vier Stunden veranschlagt, die wir auch brauchten.

Bei einer der wenigen Raststätten machten wir einen Halt und aßen zu Mittag. Plötzlich standen zwei kleine indische Jungen vor mir und fragten mich höflich in englischer Sprache, wie es mir gehe und woher ich komme. Als ich ihnen antwortete und sie fragte, ob sie „Germany“ kennen, verneinten sie das. Nachdem sie sich freundlich bedankt und verabschiedet hatten, sah ich auf der Rückseite des einen T-Shirts „London“ stehen.

Auch Agra ist eine größere Stadt, die vom Tourismus um das Taj Mahal lebt. Am Fluss Yamuna sahen wir zunächst die mächtige Festung, von der wir später noch hören. Eine besondere Freude machte uns eine Gruppe wilder Affen, die an der Straße gerade mit Chapati gefüttert wurden. Hier musste unser Fahrer für uns einen Fotostopp einlegen.

Affen in Agra_DSCN0467_a

Unterwegs stieg unser Fremdenführer zu, der uns schon mit einigen wichtigen Details bekannt machte: Inhalt der Handtaschen, umsteigen auf ein Elektromobil oder -bus… Also wurden die Handtaschen von allem Möglichen befreit. Ich füllte eine ganze Plastiktüte damit. Dann erfuhren wir, dass aus Umweltschutzgründen für das Denkmal nur elektrisch betriebene oder von Tieren gezogene Fahrzeuge im Umkreis von 2 km um das Grabmal fahren dürfen. Wir stiegen alle zusammen um in ein Elektrotaxi. Völlig neu waren für uns von Pferden gezogene und schön mit Blumen geschmückte Pferdefuhrwerke. Bisher hatten wir höchsten zwei Pferde und ebenso viele Esel gesehen. Ein Fuhrwerk wurde sogar von einem Dromedar gezogen. Am Eingang mussten wir zunächst unsere Tickets besorgen, dann bekam jeder eine frische Flasche Wasser und ein kleines Päckchen Plastik, dessen Inhalt wir später erkundeten.

Immer im Gefolge unseres jungen Fremdenführers gingen wir an den vielen Andenkenläden vorbei zum großen Eingangsportal und mussten durch die Sicherheitsschleusen. Jedes Stück Traubenzucker musste ich erklären und versprechen, es nicht zu essen. Das Brillenputztuch musste ich erklären… Dann standen wir in einem Innenhof, zusammen mit unzähligen Menschen – alle Inder. Was allen zu schaffen machte, war die Hitze von 43 bis 45 Grad und kaum Schatten. Da war es gut, dass wir einen kundigen Führer hatten, der auch die schattigen Plätze kannte. Wir bewunderten zunächst das imposante Eingangstor. Die zwei Reihen von je 11 kleinen weißen Kuppeln auf dem Dach standen für die 22 Jahre Bauzeit des Grabmahls.

Taj Mahal_Eingangsgebäude_DSCN0437_a

Von dort blickten wir auf das eigentliche Herzstück der Anlage: das Taj Mahal, am Ufer des Flusses Yamuna gelegen. Vor uns erstreckte sich bis zum Grabmal ein rechteckiges Wasserbecken. Aus dem 18 Hektar großen Garten sind im Laufe der Jahrhunderte Grasflächen gemacht worden. Unser Führer lenkte uns zu einem Weg unter Bäumen, links von dem großen Wasserbecken. Am Ende des Weges bat er uns, die kleinen Plastiksäckchen zu öffnen und die weißen Kunststoffschoner über die Schuhe zu ziehen. Er wies uns immer wieder auf die langen Reihen Besucher hin, die in der Prallsonne vor dem Eingang in das Grabmal standen und sagte, er wisse einen anderen Eingang.

Blick auf Taj Mahal_DSCN0442_a

Mit Blick auf das weiße Grabmal vor uns, begann er, uns die Geschichte zu erzählen. Ich habe einmal nachgelesen und festgestellt, dass sich in seinen Erzählungen Dichtung und Wahrheit mischen. Er sprach englisch, und ich durfte für Pater Johannes übersetzen. Nun zur Geschichte: Shah Jahan, der auf der Suche nach einer Frau war, mischte sich gerne einmal in der Woche in Frauenkleidern unter die Frauen auf dem Markt. An diesem einen Tag durften nur Frauen als Verkäuferinnen und Käuferinnen dort arbeiten. Als er Mumtaz Mahal zum ersten Mal sah, verliebte er sich sogleich in sie, konnte sie aber nicht ansprechen und sich mit ihr verabreden, denn dann wäre aufgefallen, dass er ein Mann war. Zu einem späteren Zeitpunkt traf er sie in einem Garten wieder und konnte ihr seine Liebe erklären. Die beiden heirateten und lebten 19 Jahre lang glücklich miteinander. In der Zeit gebar ihm Mumtaz 19 Kinder. Als sie schwer krank wurde, versprach er ihr, ein wunderschönes Grabmal für sie zu errichten. Sie starb um 1630, und sogleich begann der Bau des Grabmals.

20.000 Handwerker aus vielen Teilen Süd- und Zentralasiens und verschiedene Architekten arbeiteten an dem Monument, so dass es zu einem Werk indo-islamischer Baukunst wurde. Die Baumaterialien wurden aus Indien und anderen Teilen Asiens mit 1.000 Elefanten herbeigeschafft. 28 verschiedene Arten von Edelsteinen und Halbedelsteinen wurden in den indischen Marmor eingesetzt. (vgl. Wikipedia)

Da man immer mit Erdbeben rechnen musste, wurden die Fundamente aus einem flexibel gemachten Holz gebaut, das im Falle eines Erdbebens beweglich genug wäre, die Erdstöße auszuhalten. Die vier Minarette um das Zentralgebäude sind leicht nach außen geneigt, so dass sie im Falle eines Erdbebens nach außen und nicht auf das Gebäude stürzen.

Und wie geht die Geschichte weiter? Als Shah Jahan sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen wollte, bat er seine vier ältesten Söhne, unter sich einen Nachfolger zu suchen. Stattdessen entmachtete sein Sohn Muhammad Aurangzeb Alamgir den Vater und setzte ihn für den Rest seines Lebens im Roten Fort gefangen. Nach seinem Tod im Jahre 1666 wurde er neben seiner Frau Mumtaz im Taj Mahal beigesetzt.

Soweit zur Geschichte… Wir stiegen die Stufen zum weißen Grabmal hinauf und gingen an der Reihe der Wartenden vorbei, um ganz vorne gleich ins Gebäude zu gehen, offensichtlich hatten wir besondere Eintrittskarten. Überall begleiteten Soldaten unsere Schritte. Und als wir das Innere des Hauptgebäudes betraten, in dem oben sichtbar Nachbildungen der Sarkophage stehen, wurde es laut: Unter lauten Trillerpfeifen und Schreien der Soldaten wurden wir durch die Räume geschoben – Fotografieren verboten! – und waren froh, diesem Lärm bald wieder zu entrinnen. Am Ausgang konnten wir noch ein paar Fotos von den wunderschönen Einlegearbeiten machen,

Mosaiken_DSCN0452_a

dann streiften wir unsere Schutzüberzüge wieder von den Schuhen und liefen durch die glutheiße Sonne diesmal auf der anderen Seite des Wasserbeckens wieder zum Eingang zurück. Dabei sahen wir die vielen kleinen Zimmer, die für die muslimischen Geistlichen gebaut worden waren, damit sie dort übernachten konnten.

Die britische Regierung stellte das Monument bereits 1904 unter Denkmalschutz, 1983 wurde es in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. 2007 wurde es im Rahmen einer Privatinitiative zu einem der sieben neuen Weltwunder gewählt. Es wird auch als Gebetsstätte der Muslime genutzt. Der Dichter Rabindranath Tagore beschrieb es in einem seiner Gedichte als „eine Träne auf der Wange der Zeit“. Nach Bombendrohungen im Jahre 2006 wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft, Soldaten bewachen die Gebäude rund um die Uhr, im Umkreis wurde ein Flugverbot erlassen. Vgl. Wikipedia

Als wir wieder am Ausgang waren, stiegen wir in einen kleinen Elektrobus, mit dem wir zu unserem Taxi fuhren.

Da ich seit dem ersten Tag in Indien vergeblich nach Postkarten Ausschau gehalten hatte, war ich froh, hier endlich welche zu finden. Wir gingen in ein Geschäft mit typischen indischen Geschenkartikeln, wo wir auch Postkarten bekamen – ohne Briefmarken. Als wir uns schöne Seidenschals ansahen, stellte Sr. Veena fest, dass sie keine Preise hatten, auf Anfrage für uns dann Preise gemacht wurden, die über dem üblichen liegen. Trotzdem konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, drei zu kaufen.

Da uns die Mosaiken so gut gefallen hatten, fuhren wir in eine Werkstatt, in der sie noch heute nach den alten Verfahren eingelegt werden. Auf dem Boden saßen drei Männer vor ganz einfachen Schleifmaschinen, die aus den Edelsteinen dünne Scheibchen schliffen. Ein vierter Arbeiter klebte sie zu einem Mosaik in einen Teller. Es wurde uns versichert, dass diese Arbeiter noch Nachfahren der Perser sind, die damals die Einlegearbeiten am Taj Mahal gemacht haben.

Edelsteinschleifer_DSCN0461_aUnd da wir noch mehr sehen wollten, wurden wir ins Innere gebeten. Der Anblick erschlug uns. Überall standen oder hingen ungezählte weiße Marmorplatten mit bunten Einlegearbeiten, in allen Größen und Formen. Und um uns zu demonstrieren, dass der indische Marmor der beste der Welt und sogar transparent ist, wurde immer wieder das Licht gelöscht und einzelne Teile mit Taschenlampen verschiedener Größe angeleuchtet. Zunächst bekamen wir einen Kaffee aus zierlichen Porzellantassen angeboten, und dann hoffte man mit uns ins Geschäft zu kommen. Es wurden auch europäische Währungen akzeptiert. Mit einer kleinen Schildkröte und einer Dose verabschiedeten wir uns wieder und machten uns auf den Heimweg, nachdem wir unseren Fremdenführer mit einem Trinkgeld verabschiedet hatten.

Vier Stunden Fahrt im bequemen Taxi von Agra nach Neu-Delhi lagen vor uns. Wir fuhren durch ebene Landschaften, in denen immer mal wieder die hohen Schornsteine aufragten, in deren Innerem Ziegel gebrannt werden. Unser Fahrer erwies sich als so ortskundig, dass er genau wusste, in welchem Streckenabschnitt Pfauen an der Straße sitzen. Leider ließen sie sich nicht fotografieren, sondern flogen einfach davon, als wie anhielten.

Als wir wieder in Delhi ankamen, suchten wir in einer Straße in Flugplatznähe nach unserem kleinen Hotel in einer Seitenstraße. Hier waren Telefonate mit unserem Sponsor nötig. Es war wirklich nicht einfach, denn in diesen Straßen reihte sich ein kleines Hotel an das andere. Schließlich wurden wir fündig. Vor jedem Hotel steht oder sitzt ein uniformierter Wachmann, der die Türen öffnet, Auskünfte gibt, Gepäck trägt… Als der Portier – alles junge Männer – uns nicht in seinem riesengroßen Buch fand, kam unser Taxifahrer noch einmal herein, der wusste, unter welchem Namen die Reservierung für uns notiert war. Dann brachten uns drei junge Männer in unsere großen Doppelzimmer. Statt Fenstern liefen die Lüftung, die auf 16 Grad eingestellt war, und der Ventilator. Ein ohrenbetäubender Lärm. Zum Schlafen schaltete ich beides ab.

Nach einer kurzen Pause trafen wir uns wieder und gingen in einem benachbarten Lokal etwas essen. Ein großes Umpacken war nicht nötig, da wir für den Fernflug wieder 23 kg Gepäck haben durften, so dass ich meinen Rucksack ziemlich leerte. Am anderen Morgen machte Sr. Veena noch ein paar Einkäufe und gab mit vier Mangos mit, so dass der Rucksack schnell wieder an Gewicht zunahm.

Für unsere Postkarten fehlte immer noch das Porto, aber der Taxifahrer, der uns zum Flughafen fahren sollte, war nicht bereit, ein Postamt anzufahren, so dass wir gleich nach dem Frühstück zum Flughafen fuhren. Die Prozeduren dort waren uns bekannt. Es gab keine besonderen Vorkommnisse, nur waren wir diesmal so schlau, für das Handgepäck einen kleinen Gepäckwagen zu nehmen, um unsere Schultern zu entlasten. Als Mittagessen kauften wir Chips und etwas zum Trinken. Während ich auf einer Bank saß und auf Sr. Veena und P. Johannes wartete, kam plötzlich ein Vater mit einem kleinen Sohn zu mir und fragte, ob er ein Bild mit mir und seinem Sohn machen dürfe. Ich schüttelte den Kopf und verneinte, was er leider als Zusage verstand, denn in Indien meint, den Kopf nach rechts und links drehen „Ja!“ Das Foto wurde mit mir und einem mürrisch neben mir sitzenden Jungen gemacht.

Unser Flugzeug war so leer, dass wir uns alle auf drei Plätzen ausbreiten konnten. Nach 7,5 Stunden kamen wir in Frankfurt an, und eine spannende Reise von 14 Tagen nach Indien war vorbei. Sr. Veena herzlichen Dank dafür, dass sie die Verantwortung und Planung für Pater Johannes und mich übernommen hatte.

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