Indienbericht – 27. Juni 2015

Heute ist der 27. Juni, ich muss also vier Wochen zurückdenken, um mein Reisetagebuch fortsetzen zu können. Inzwischen habe ich mich von der anstrengenden Reise erholt.

An diesem Tag hatten wir wieder Programm, und zwar das einzige längere Programm an einer der großen Schulen. Es fand nach 9 Uhr in Hinganghat statt, der ersten Schule, die das Theresianum Mainz mit gebaut hat. Den Neubau, vor dem wir saßen, gab es vor vier Jahren noch nicht, er ist für den CBSE-Zweig der Schule gebaut worden. Dank Handy-Informationen landeten wir wieder pünktlich und wurden von einer Delegation aus Schulleiterin, Schülerinnen und Lehrerinnen erwartet. Zwei Schülerinnen mit orangefarbenen Turbanen und wunderschönen Saris steckten uns zunächst einen bunten Button an.BegrüßungDarauf folgte die übliche Begrüßungszeremonie mit einem roten Punkt auf der Stirn. Danach folgten wir langsam vor uns her schreitenden Schülerinnen und Schülern in dunkelgrauer Schuluniform (Anzug mit Krawatte, die Lehrerinnen trugen über ihren rotfarbenen Saris auch dunkle Jacketts) mit Musikbegleitung bis zur Bühne. Dort bekamen wir ein Blumengebinde und eine Begrüßungsurkunde als Erinnerungsgabe. Dann begann das Programm, durch das zwei Schülerinnen führten, eine mit Kopftuch. Da es sehr heiß war, nahmen wir ein Glas Wasser gerne an. Die kleinen Schülerinnen und Schüler in der dunklen Schuluniform saßen rechts und links auf dem Schotter und hatten je eine Flasche Wasser vor sich stehen.

Schüler

Da die kleinen Jungen nicht immer so brav waren, wurden nach und nach einer nach dem anderen aus der Gruppe herausgenommen und vor die Gruppe gesetzt. Zunächst saß einer ganz alleine dort, dann wurden es immer mehr. Schließlich saßen zwei Reihen dort. Rechts an der Schule hingen große Schilder, die ein Verbot von Rauchen – Ich sah in Indien überhaupt niemanden rauchen, auch gab es selbst an den hohen Feiertagen keinen Alkohol zu trinken, aber Schilder an der Autobahn wiesen darauf hin, dass sich Sprit und Alkohol nicht vertragen – aussprachen und auf den Schutz der Umwelt hinwiesen: „Sag nein zu Plastiktüten, benutze ökologische Tüten u.a., pflanze mehr Bäume, verwende wiederverwertbare Trinkflaschen“.

Schilder

Auf unseren Stühlen lag das auf einem Klemmbord befestigte Programm. Es begann mit einem Prayerdance, darauf folgte die Begrüßungsrede von Sr. Rupa, der Schulleiterin. Ein kleiner Chor aus Jungen und Mädchen sang ein Begrüßungslied. Dann führten die Jungen der Highschool Jogaübungen vor, die immer erklärt wurden. Die Kindergartenkinder zeigten eine Modenschau, die sie sich wohl im amerikanischen Fernsehen abgeschaut haben. Besonderen Beifall ernteten die Jungen mit ihren großen Sonnenbrillen, die von ihren Kameraden wohl als besonders „cool“ angesehen wurden. In einem „Fashion Dance“ kämpfte ein westlich gekleideter Junge gegen die Menge der indisch gekleideten Kameraden, die ihn nicht in ihre Gruppe aufnehmen wollten.

Tanz

Ein erster Höhepunkt war die Festrede von Sr. Veena, und dann folgte der Anlass der Feier: die Preisverleihung. Aus diesem Grund waren Schüler, Lehrer und Eltern schon ein paar Tage vor Schulbeginn gekommen. Da wir die Preisverleihung vornehmen sollten, wurden wir auf die Bühne gebeten. Die Ausgezeichneten wurden einzeln aufgerufen, sie kamen entweder allein oder in Begleitung der Eltern oder die Eltern in Vertretung ihrer Kinder. Die Preise wurden einzeln von einer Schülerin auf einem Tablett gebracht.

Preis

Es handelte sich meist um einen kleinen Pokal mit einer laminierten Urkunde. Wir überreichten sie abwechselnd, Schüler und Eltern bedankten sich und ein Foto schloss die Übergabe ab. Was mir auffiel war, dass es sehr lange dauerte, bis endlich ein Mädchen aufgerufen wurde. Deren Zahl blieb bis zuletzt gering. Die Mädchen müssen also noch sehr ermutigt werden, damit sie zeigen, was in ihnen steckt, denn sie sind nicht weniger begabt als die Jungen.

Die Feier schloss mit einer kurzen Ansprache von Sr. Arpita, der Provinzoberin, und einem Dankeswort der Schüler. Danach lud uns die Schulleiterin in ihr Büro ein, wo wir noch einmal beschenkt wurden – mit Schals und einer silbernen Schale, dazu gab es Snacks zur Stärkung. Eine weitere Stärkung gab es im Konvent der Schwestern, wo ich auch wieder bekannte Schwestern traf.

Unsere nächste Station war Allipur, wo eine neue Schule für die Kindergartenkinder gebaut worden war. Hieran hat sich in den letzten Jahren sowohl das Theresianum als auch die Stiftung „Wir für Kinder in Not“ beteiligt. In der kleinen Kapelle der Schwestern feierten wir zunächst die heilige Messe, sie war am 6. Todestag meines Bruders mit einem Gedenken an ihn verbunden.

Vor dem Mittagessen gab es eine Überraschung. Sr. Rani, die Oberin und Schneiderin, hatte für uns drei ein Kleidungsstück genäht – in einem mittelgrauen Stoff, dessen Namen ich nicht mehr weiß. Aus meinem langen Oberteil wurde ein kurzes T-Shirt gemacht, damit ich es auf den Rock tragen kann. P. Johannes fühlte sich in seinem langen Oberteil nicht so wohl. Und Sr. Veena tauschte ihr Ordenskleid mit einem grauen Oberteil zu weißen langen Hosen. Und da tauchte statt des Schleiers wieder die graue Kappe auf, die in Jeripatka für Pater Johannes erstanden worden war. Wir verabredeten uns, am nächsten Tag so nach Delhi zu fahren. Die Kleidung war ein Geschenk der Provinzoberinan uns.

Nach dem Mittagessen durften wir im Kloster in der Jailroad noch eine Stunde Mittagspause machen, bevor es wieder ins Provinzhaus zurückging. Nach restlichem Kofferpacken, Tee und Verabschieden fuhr uns Jeevan nach Nagpur. Dort angekommen gingen wir sofort in die Stadt, denn meine kleinen Elefanten hatten wir noch nicht gefunden. Diesmal waren wir erfolgreich.

Zum Abendessen hatte Sr. Veenas Kusine eingeladen. Ich sagte die Einladung ab und blieb im Haus. Ich wollte lieber in Ruhe meinen Koffer packen – 15 kg waren für den Inlandflug nach Delhi erlaubt.

Zu dem Altenheim in Nagpur muss ich eine kleine Begebenheit nachtragen. Als wir zum erstenmal dort waren, hieß es beim Frühstück, eine Bewohnerin sei in den Morgenstunden überraschend gestorben. Wir gingen also nach dem Frühstück in ihr Zimmer, wo die Tote friedlich aufgebahrt war, und beteten für sie. Am Mittag sollte das Requiem sein, und danach sollte sie eingesargt und zum Friedhof zur Beerdigung überführt werden – alles an einem Tag.

Zunächst betete ich mit den Schwestern die Vesper, dann aßen wir zusammen zu Abend. Hier tauchte auch Sr. Therese auf, die wir bisher nicht gesehen hatten, weil sie in Prüfungsarbeiten saß. Inzwischen lag die letzte Prüfung hinter ihr. Sie war müde, aber glücklich, alles geschafft zu haben. Auch Sr. Manisha traf ich noch einmal. Dann hieß es das Gepäck für den Flug vorbereiten, was diesmal nicht so schwierig war. Da ich alle Geschenke verteilt und wenig Neues gekauft hatte, konnte ich das geforderte Gewicht von 15 kg für den Koffer einhalten.

Nach diesem ereignisreichen Tag schlief ich wie immer gut – ohne Moskitonetz, denn die Fenster haben Fliegengitter.

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