Indienbericht – 25. Juni 2015

Der Tag begann um 7 Uhr mit dem indischen Gottesdienst, den einige Priester und Patres, die noch zu Gast waren, feierten. Die Gäste aus Kerala blieben noch einen Tag und machten einige Besuche in der Umgebung. Um 10 Uhr stand Jeevan, unser Fahrer, mit dem Jeep bereit, um unsere kleine Reisegruppe mitzunehmen. Diesmal fuhr Sr. Sanguita, eine junge Krankenschwester-Ausbilderin, mit uns. Unsere Ziele lagen in der Umgebung von Wardha in einem Teil, wo neun verschiedene Ordensgemeinschaften verstreut eine Niederlassung haben: Ordenshäuser, Noviziate, Hochschulen.

Wir besuchten zunächst die Philosophische Hochschule der Karmeliten, wo wir in einem kleinen Raum empfangen wurden. Erfrischungen gab es wie immer. Bemerkenswert war die große Kapelle, zu der man hinaufsteigen musste. Sie war ein großer Rundbau, nur mit Kissen auf dem Boden. Interessant die vielen hinduistischen Symbole, die in die christlichen integriert waren – ein interessantes Beispiel der Inkulturation.

Dann fuhren wir zum nächsten Ordenshaus, zu den Claretinern, die auch eine philosophische Hochschule haben. Vom einen zum anderen Haus waren es kaum 10 Minuten Fahrzeit. Die führten aber durch einen Slum, in dem die Menschen vor allem in Zelten wohnten. Es wird immer wieder gesagt, dass sich dort, wo Ordenshäuser und Schulen sind, auch Menschen ansiedeln.

Wir trafen den Leiter, P. Sebastian, der uns in den großen Speiseraum mitnahm, in dem an einem langen Tisch am Kopf des Saales einige Patres ihren Pausensnack zu sich nahmen – und natürlich wussten, dass wir kamen. Als die jungen Studenten zur Pause hereinkamen, ging der Direktor ans Lesepult und stellte uns vor. Dann konnten die Studenten weiter ihr Wasser oder ihren Tee trinken. Auf Tischen in der Mitte stand jeweils ein großer silberfarbener Wasserkübel, aus dem sie sich bedienten.

Die jungen Männer haben alle zwei Jahre Noviziat hinter sich und studieren jetzt zwei Jahre Philosophie, dann folgt das Theologiestudium. An dieser Hochschule gab es den einzigen Johannesmissionar, den wir getroffen haben, mit deutschem Namen Georg. Er hat schon zwei Ausbildungsgänge mit Bachelor oder Master hinter sich (Wirtschaft u.a.). Damit wir uns mit ihm etwas unterhalten konnten, verließen wir den Raum und ließen uns im Flur an einer Tischgruppe nieder. Der Rektor blieb bei uns und las Zeitung. Vorher hatten wir von ihm erfahren, dass die Studenten keine Bärte tragen dürfen. Als wir dennoch einen Bartträger entdeckten, erfuhren wir, dass es sich um einen Lehrer handelte. Fr Georg erzählte uns, dass die eigene Ordensgemeinschaft für die Kosten für Studium und Unterkunft aufkommt. Die Studenten bekommen umgerechnet 5 Euro Taschengeld im Monat für ihren Eigenbedarf. P. Johannes segnete seinen jungen Mitbruder, und beide versprachen, füreinander zu beten.

Johannesmissionare_indienbericht_2015

Im Garten besuchten wir eine kleine Grotte, die auch ein Beispiel für die Inkulturation ist. Jesus sitzt als meditierender Inder in einer kleinen Grotte, Maria mit indischem Schmuck steht in der Mitte der Grotte. Rechts und links sind Tiere an einem Wasser zu erkennen: Elefanten, Vögel…

Meditierender Jesus Indienbericht_2015

Im hinteren Teil des Geländes standen etwa fünf kleinere Häuser, die architektonisch sehr interessant aussahen. Wir erfuhren, dass dort die Studenten zu 5 bis 7 zusammen wohnen, um zu lernen, in Gemeinschaft zu leben.

Zum Mittagessen waren wir im Konvent der Schwestern in Wardha-Pipri eingeladen worden. Die große Schule dort, die auch vom Theresianum mit gebaut worden ist, war noch nicht in Betrieb. Sr. Josena ist die neue Schulleiterin nach Sr. Rupa und Sr. Lima. Wir wünschten ihr alles Gute. Wie immer wurden wir mir vielen Köstlichkeiten verwöhnt – von der Suppe bis zum Nachtisch mit Mango, Ananas, Papaya, Banane…

Nach ein paar Fotos fuhren wir zur Jail-Road, wo wir unsere Siesta machten. Diese Schule liegt nach dem Umbau noch näher an der Straße. Der Autolärm übertönt sogar den Ventilator. Nach einer Stunde ging es weiter.

Eine kleine Stadttour stand auf dem Programm. Sr. Veena hatte den Vorschlag gemacht, dass wir schon einen Teil unserer Fotos entwickeln lassen, damit wir zuhause gleich etwas zu zeigen haben. Die Fotos kosten Bruchteile von Cents. Wir suchten also jeder rund 70 Fotos zum Entwickeln aus und diktierten sie dem Ladeninhaber. Nach zwei Stunde sollten wir wieder kommen, die Fotos abholen.

Um die Zeit zu überbrücken, besuchten wir einen Pumpenhändler, den Sr. Veena kannte. Dort saßen wir im Ladengeschäft/Betrieb und wurden mit Getränken versorgt. Hin und wieder kam jemand, um eine Unterschrift zu holen, Geld abzugeben o.ä. Und zwei Telefone klingelten im Wechsel.

Schließlich konnten wir unsere Fotos abholen und nach Hause fahren. Nach dem Abendbrot gab es eine große Aktion, als die Verwandten der Schwestern – 31 Personen, mit Patres – für ihre 48-stündige Bahnfahrt nach Kerala am nächsten Tag ihren Proviant vorbereiteten: kaltes und warmes Essen, Brote, Getränke, verpackt in Kartons, Kisten, Tüten… Hier hieß es dann auch Abschied nehmen.

Und den Rest des Abends verbrachte ich mit Schreiben und Mails Verschicken…

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