Indienbericht – 22. Juni 2015

Um 7 Uhr begannen wir den Tag mit der heiligen Messe. Das Haus füllte sich jeden Tag mit neuen Gästen, Schwestern aller Generationen, die aus vielen Teilen des großen Landes kamen, die zum Teil weite Fahrten mit der Bahn auf sich genommen hatten, um die Jubiläumsfeiern mitzuerleben und mitzuhelfen bei den Vorbereitungen. Ich lernte immer wieder Schwestern kennen, die mir aus langer Korrespondenz bekannt waren, die ich aber nie persönlich kennen gelernt hatte. Die Schwestern der ersten und zweiten Generation, die vor 50 Jahren in Deutschland und England ihre Ausbildung gemacht hatten, freuten sich, ihre alten Deutschkenntnisse wieder einsetzen zu können. Namen wie Sr. Prasada, Sr. Vishala oder Sr. Shanta waren mir nur vom Hörensagen bekannt.

Nach dem Frühstück hatten wir noch etwas Pause, und dann ging es gegen 10.30 Uhr nach VRO, der Missionsstation, die die Schwestern vor einigen Jahren von dem Jesuitenpater Windy geschenkt bekommen hatten. Es leben dort drei Schwestern, die junge Mädchen im Nähen unterrichten, pastorale Angebote im Haus und in den Dörfern machen. Außerdem ist in der kleinen Kapelle die ewige Anbetung, die vor Jahren noch in Leutesdorf in der Kreuzkirche ihren Ort hatte. Zwei der Schwestern, die am 24. ihre ewige Profess ablegen sollten, bereiteten sich in Stille hier auf diesen Schritt vor. Sr. Preeti, Sr. Ester und Sr. Divya begrüßten uns mit einem leckeren Snack.

Es war mir eine besondere Freude, die drei kleinen Kinder der Fahrers und ihre Eltern zu sehen und ihnen Post von ihrer Patin und ein kleines Geldgeschenk sowie Foto zu übergeben. Ich übersetzte den deutschen Text ins Englische, die Schwester in Hindi, damit die Kinder ihn nicht nur sehen, sondern auch verstehen konnten. Die Familie lebt in einer kleinen Steinhütte auf dem Gelände. Der Vater verdient etwas Geld als Fahrer, die Mutter arbeitet auf dem Feld. Die Eltern freuten sich über das zusätzliche Geld, weil der Schuljahresbeginn kurz bevorsteht und sie damit Schulmaterialien kaufen können.

Als wir in VRO waren, regnete es in Strömen, und der Boden war weitgehend aufgeweicht. Wenn es stark regnete, dann wurden wir auch im Auto manchmal nass, weil der Dichtungsgummi an den Fenstern dem Regen nicht standhielt. Der Beifahrer, meistens Pater Johannes, bekam bei diesem Wetter nasse Füße, weil der Regen vom Boden her ins Auto spritzte. Der Regen brachte immer etwas Abkühlung für uns Menschen, vor allem aber Nässe für die Natur.

Unsere Fahrt ging weiter in den Schwesternkonvent nach Seva Sadan, wo wir von Sr. Reshmi und Sr. Surabhi begrüßt wurden. Sr. Reshmi unterrichtet in der Krankenpflegeschule. Die Begrüßungszeremonie für uns wurde von den neun Kandidatinnen vorgenommen, die in diesem Haus leben und sich auf das Ordensleben vorbereiten. Alle haben die 10. oder 12. Klasse abgeschlossen. Sie kamen vor allem aus Orissa, wo sie schlimme Christenverfolgungen erlebt hatten, und aus Assam. Als wir beim Mittagstisch saßen, wie immer mit köstlichen Speisen verwöhnt, saßen die jungen Mädchen mit am Tisch, ruhig und sehr diszipliniert. Wir sprachen von ihnen als Kindern und waren überrascht, dass sie alle zwischen 17 und 28 Jahren alt waren. Nach dem Essen machten wir eine Vorstellungs- und Fragerunde mit ihnen. In den nächsten Tagen sollten wir sie noch öfter sehen, weil sie nach Wardha kamen, um zu helfen und zusammen mit Sr. Nuba einen Gebetstanz einzustudieren.

Nach einer Stunde Ruhe tranken wir zusammen Kaffee und machten uns dann wieder auf den Rückweg ins Provinzhaus, wo die Geschäftigkeit an allen Ecker kaum zu überbieten war und die Dekoration ständig verschönert wurde.

Am Abend war kein Programm und Zeit zum Schreiben.

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