Indienbericht – 21. Juni 2015

Um 7.30 Uhr feierten ein indischer Priester und Pater Johannes mit uns die heilige Messe. Danach gab es Frühstück, das immer eine warme Mahlzeit ist. Wir bekommen als Vorspeise immer Porridge, damit haben wir eine gute Grundlage für den Vormittag. Danach habe ich im Garten ein paar Blumenfotos gemacht. Um 10 Uhr fuhren wir mit Sr. Lissy in das nahe gelegene Sewagram, wo wir zunächst mit Regenschirm in der Hand den Ashram besuchten, in dem Mahatma Gandhi viele Jahre gelebt und gearbeitet hat. Die kleinen Häuser werden liebevoll erhalten, um so einen Teil von Gandhis Erbe weiterzugeben. Die Räume dürfen nur mit bloßen Füßen betreten werden. An manchen Orten herrscht Stillschweigen. In der Mitte ist ein großer offener Platz, auf dem jeden Tag eine Gebetszeit abgehalten wird. Auf der anderen Straßenseite besuchten wir ein kleines Gandhi-Museum, in dem mit lebensgroßen Figuren, mit Bildern, Fotos und Dokumenten sein Leben erzählt wird.

Unser nächstes Ziel ist eine der vier Gemeinschaften der Johannesschwestern in Sewagram: Jeevan Vikas. Sr. Smita, die zehn Jahre in Deutschland gearbeitet hat, ist die Oberin. Sie arbeitet im Krankenhaus. Sr. Sima kümmert sich um 20 behinderte Mädchen (körperbehindert, taubstumm), die jeden Tag mit dem Bus der Einrichtung aus den Dörfern abgeholt und abends nach Hause gebracht werden. Sie nähen Schuluniformen und gestalten Karten und Schmuck. Damit verdienen sie einen kleinen Beitrag zum Lebensunterhalt und sind für ihre Familien keine nutzlosen Esserinnen. Leider waren die Mädchen wegen des Sonntags nicht da, aber Sr. Sima hatte uns Schmuck und Karten zurechtgelegt. Mit einem Stapel schöner Karten konnte ich meinen Schreib- und Basarbedarf decken. Dann zeigte die Schwester mir Fotos von 60 behinderten Kindern und Jugendlichen, Jungen und Mädchen, für deren medizinische und therapeutische Behandlung sie sorgt. Die holländische Lillith-Stiftung zahlt diese Therapien großzügig. Zum Programm gehören auch Vorträge für die Eltern der Kinder, damit sie lernen, wie sie mit ihren Kindern umgehen und was sie selbst an Therapien übernehmen können. Eine wunderbare Arbeit, die sich seit meinem letzten Besuch vor vier Jahren so gut entwickelt hat. Das war eigentlich seit meinem letzten Besuch ein stiller Wunsch von mir. Und ich bin froh und dankbar, dass er erfüllt wurde.

Das Mittagessen im Konvent schmeckte wie immer sehr gut. Sr. Nuba, die dritte aus diesem Konvent, trafen wir beim Jubiläum wieder. Die vierte Schwester hatte sich zum Dienst im Krankenhaus verabschiedet, als wir kamen. Sr. Lissy nutzte die Zeit, um möglichst viel Grün für die Dekoration der Sträuße und Gestecke zu schneiden und mitzunehmen. Nach unserer Rückkehr stand die Siesta auf dem Programm, die uns allen guttut. Am Nachmittag war Zeit zum Schreiben. Um 17 Uhr wurden wir zur Haussegnung geholt, die einmal im Jahr stattfindet. Nach langen Gebeten und Gesängen durchquerte der Pfarrer im Eiltempo alle Räume, um sie zu segnen – wieder mit einer kleinen flachen Plastikflasche. Eine Schwester begleitete ihn mit der großen Flasche zum Nachfüllen.

Die Schwestern, die aus verschiedenen Konventen angereist sind, arbeiten fast Tag und Nacht an der Dekoration und den vielen Sträußen. Zunächst in der Kapelle und nach und nach im Refektorium und im Flur sowie zuletzt im Eingangsbereich ist alles mit Blumen – am letzten Tag auch mit Lichterketten und Luftballons in rot-weiß geschmückt. Was da für eine Arbeit dahintersteckt, ist kaum zu ermessen. Die meisten Blumen werden aus Papier oder Krepp geformt.

Mit Abendessen und Computerarbeit schloss wieder ein erfüllter Tag.

Dieser Beitrag wurde unter Blogs, Fr. Heinrigs Blog veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.