Indienbericht – 20. Juni 2015

Nach dem Frühstück hatten wir Zeit, wieder unsere Koffer zu packen, denn am Nachmittag sollten wir zu unserem letzten Quartier fahren.

Dieser Tag war für mich der erste Höhepunkt, denn an diesem Tag wurde das neue Heim für die Aidskinder von Sr. Pooja eingeweiht.

Viele Patres, Priester und Schwestern kamen von überall im Land. Ebenso der Architekt und die verantwortlichen Bauleiter. Ein großes Zelt war aufgebaut worden, in dem alle auf Plastikstühlen mit weißem Stoffüberzug Platz hatten.

Hauptzelebrant war Erzbischof Abraham von Nagpur mit seinem Generalvikar und Pater Johannes. Weitere Priester der Diözese assistierten. Alle hatten in irgendeiner Weise Sr. Pooja mit den Aidswaisen unterstützt.

In Prozession zogen alle vom Zelt zum Hauseingang, wo das große Türschild enthüllt, ein rotes Band vor dem Eingang durchschnitten und auf einem Ständer im Haus Kerzen entzündet wurden. Dann ging der Bischof zur Segnung durch alle Zimmer. Das Weihwasser hierfür ist meist in einer kleinen flachen Plastikflasche.

Die Kinder hatten an diesem Tag Ehrenplätze in den ersten Reihen und waren mucksmäuschenstill. Es war sehr aufregend, endlich ein so schönes Haus beziehen zu dürfen. So viel Gutes hatten sie in ihrem jungen Leben noch nicht erlebt!

Nach der Einweihung zogen alle wieder ins Zelt, wo die heilige Messe begann. Bei der Gabenbereitung durfte ich mich beteiligen mit einer großen blauen Styroporwolke, die ich dem Bischof übergab. Er bedankte sich mit seinem Segen.

oojas KinderNach der Feier der Messe begannen die Glückwünsche. Der Bischof und einige Priester sowie Sr. Veena und ich bekamen einen beigen Wollschal, eine Kokosnuss und ein Blumengebinde überreicht. Inzwischen war der Altar weggeräumt und viele Stühle auf die Bühne geräumt worden. Dort saßen alle besonderen Gäste. Sehr bald wurde ich zu einem Grußwort aufgerufen. Ich hatte es am Tag vorher vorbereitet und hielt es nun – natürlich in englischer Sprache. Als kleine Geschenke überreichte ich eine Schachtel mit bunten Filzstiften als Symbol der Vielfalt der Dinge, der menschlichen Charaktere und der verschiedenen Lebenswege. Als zweites gab es einen kleinen Rosenkranz als Zeichen dafür, dass Gott immer seinen Platz in den Herzen der Kinder habe und sie immer um seine Hilfe bitten können. Drittens übergab ich Sr. Pooja eine kleine Taschenlampe mit dem Wunsch, dass die Kinder immer dem Weg des Lichtes folgen und nie vergessen, dankbar zu sein für alles Empfangene und es auch weitergeben an jene, denen es schlechter geht als ihnen. Schließlich erinnerte ich daran, dass der Umzug in ein neues Haus auch einen neuen Geist erfordert. Sie mögen den guten Geist aus dem alten Haus mitnehmen, dessen Enge sie zu einer Gemeinschaft geformt hat. Daraus mögen sie im neuen Heim einen neuen Geist weiterentwickeln, Ich versprach ihnen die weitere Hilfe durch das Theresianum und die Stiftung „Wir für Kinder in Not“. Beide Institutionen stehen als Hauptsponsoren auf dem Schild neben der Eingangstür. Mit einem Segenswort endete ich und bekam gleich vom Bischof ein deutsches „Wunderbar!“ gesagt. Der Bischof kann die deutsche Sprache etwas, weil sein Bruder und seine Schwägerin in Deutschland leben und arbeiten.

Nach der Feier aßen wir mit dem Bischof im großen Raum der Gruppe an dem runden Tisch zu Mittag, und dann ging es mit dem Auto zurück zu unserer Bleibe in Prem Dan. Nach einer kurzen Pause wurde unser Gepäck ins Auto geschafft, und Sr. Lissy fuhr uns etwa zwei Stunden nach Wardha. Die Fahrt war nicht schön, erstens wird es um 18 Uhr spätestens dunkel, zweitens regnete es in Strömen, und die Straßen waren eher nass als fest, auch sah man nicht alle Löcher am Straßenrand, in den man bei Gegenverkehr manchmal ausweichen muss. Einmal wären wir fast umgekippt. Schließlich kamen wir in dem großen, ansprechend gebauten Provinzhaus an. Dies sollte uns für die nächsten sieben Tage beherbergen.

Nach dem Abendbrot konnte ich erstmals ins Internet und begann von da an meine Berichte zu schreiben.

Herzliche Grüße aus Indien
Susanne Heinrigs

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