Indienbericht – 19. Juni 2015

Es ist immer noch der 23. Juni, das Provinzhaus hier füllt sich seit Tagen mit Schwestern aus allen Konventen im Land, ab heute kommen auch die Verwandten der Jubilarinnen. Morgen feiert Pater Johannes seinen Namenstag, eine Gruppe Schwestern ihr silbernes Ordensjubiläum und eine weitere Gruppe legt ihre ewigen Gelübde ab. Dazu kommen die Bischöfe aus Chanda und aus Nagpur, aus dieser und der Nachbardiözese. Die Schwestern haben seit Tagen Hunderte von Blumen aus Papier und Krepp gebastelt, zu Sträußen und Bouquets geformt, die das Haus von außen, die Muttergottesstatue am Eingang, die Kapelle, den Speiseraum und schließlich das Zelt auf dem Schulhof der benachbarten Mhasala-Schule, in dem morgen die Messe gefeiert wird, schmücken. Dazu waren Schwestern aus verschiedenen Konventen schon seit Tagen angereist.

Aber ich habe noch vom 19. Juni zu berichten, und das tue ich jetzt.

Um 8.30 Uhr gab es Frühstück, dann besuchten wir Sr. Manisha in ihrer Schule, etwa fünf Minuten Fußweg vom Konvent. Sie ist dort Schulleiterin. Die Schule ist eine diözesane Schule, deren Lehrer vom Staat bezahlt werden. Sie wurde 1870 von den Franziskanern gegründet und ist seit 1951 Bistumsschule. 2900 Schülerinnen und Schüler der Klassen werden von 80 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet. Wie ist das möglich? Die Schülerzahlen betragen 68 bis 75 Kinder!!! Vom Kindergarten bis zur 10. Klasse. Seit 2005 eingetretene Lehrer bekommen keine Rente vom Staat, sie müssen sich selbst versichern. Die Klassen 1-4 sind kostenpflichtig, ab Klasse 5 besteht Lernmittelfreiheit. Unterricht ist von 8-14 Uhr, der Samstag frei. Da noch eine Woche Ferien sind, waren nur Eltern da, die um einen Platz baten, aber es gab keine mehr.

An diesem Tag hatten wir für die weiteren Ziele eine Fahrerin: Sr. Lissy, die 8 Jahre in Mosambik/Afrika gearbeitet und dort Autofahren gelernt hat. Sie würde noch öfter mit uns unterwegs sein.

Unser Ziel war das neue Heim der Aidswaisen, an dem wir uns nicht nur durch Patenschaften, sondern auch durch viele Spenden des Theresianum und der Stiftung „Wir für Kinder in Not“ beteiligt hatten. Es ist wunderschön geworden. Mit Geschmack und Großzügigkeit gebaut. Als wir mit Sr. Pooja einen Rundgang machten, wurden die letzten Anstriche beendet, und eine Gruppe Schwestern aus anderen Konventen sorgte für die Sauberkeit. Draußen wurde ein großes Zelt aufgebaut, in dem am anderen Tag die Messe stattfinden sollte. Es war sehr heiß. Was noch fehlt ist das Mobiliar. Es gab einen gespendeten großen runden Tisch, eingebaute Regale und gespendete Stockbetten für die Jungen. Zum alten Haus gehört ein weißer Spitz, im neuen Haus lebt eine kleinere Hündin mit vier niedlichen Jungen. Angebaut, aber noch im Rohbau, wird ein Schwesternhaus, und in der Nachbarschaft entstehen Pfarrkirche und Pfarrhaus. Was mir etwas Angst machte, waren die großen Ameisen, die draußen über den grünen Teppich liefen. Vor dem Abschied übergab ich der Schwester zwei Tüten mit Geschenken, die mir die Paten und andere großzügige Menschen mitgegeben hatten.

Dann brachen wir zu unserem nächsten Ziel auf, der Schule in Jeripatka am selben Ort. Da noch Ferien sind, die Lehrer aber Arbeit haben, wurden wir im Lehrerzimmer von etwa 20 Lehrerinnen und zwei Lehrern begrüßt – mit Blumensträußen. Sr. Veena, als Erbauerin und ehemalige Schulleiterin, hielt eine gute Ansprache an die Lehrerinnen und Lehrer. Danach wurden wir mit dem Lied eines Lehrerinnenchors verabschiedet und gingen mit der Schulleiterin in den Konvent auf dem gleichen Grundstück.

Im Laufe des Nachmittags traf ich von den 48 Patenkindern 7 Jungen und fünf Mädchen und ließ Sr. Veena ein paar Fotos machen. Nach der Gastfreundschaft mit einem abwechslungsreichen Mittagessen durfte ich eine Stunde ausruhen, was sehr gut tat. Dazu stellen die Schwestern immer ihre Zimmer zur Verfügung. Danach bekam ich endlich Sr. Poojas Kinder zu sehen. Ihre Garage steht in der Nähe des Schwesternhauses zwischen Slumhütten. Hin und wieder spaziert eine Kuh vorbei, die sie vertreiben. Ich bekam einen Stuhl hingestellt und verteilte zunächst die Geschenke. Das Geld hatte ich Sr. Pooja gegeben. Manches wurde schon an- und ausprobiert. Fr. Vreden und Fr. Münkers Patenkind ist noch bei den Eltern und bekommt seine Sachen später. Aus Freude und Dank über meinen Besuch und die mitgebrachten Dinge sangen und tanzten die Kinder uns etwas vor. Dabei ist die Kleinste ton- und taktangebend. Von einem der Jungen war vor zwei Wochen die Mutter gestorben, deshalb musste er die Haare ganz kurz geschoren tragen. Die Tüte mit den Bonbons wurde sofort verteilt, auch Aunty, das bin ich, bekam eins. Dann schlug die Stunde des Abschieds bis zum nächsten Tag.

Pater Johannes feierte in der kleinen Kapelle der Schwestern die Messe mit uns. Am Vormittag hatte ein Lehrer den Auftrag bekommen, für P. Johannes eine neue Kappe zu besorgen, weil die alte immer schmutziger wurde. Vor dem Kaffeetrinken war die neue Kappe da, ein Geschenk der Schwestern.

Mit Sr. Lissy fuhren wir nach Prem Dan zurück, das heißt Sr. Veena und P. Johannes kauften neue Sandalen, weil die alten nur drückten, und ich konnte meinen ersten Bericht schreiben. Mit dem Abendbrot um 20 Uhr schloss der Tag – fast, denn wir mussten für den kommenden Tag Koffer packen, aber ohne sie zu wiegen.

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