Ausfluege, Ausfluege

Am Sonntag, den 11.1., wurden wir damit ueberrascht, dass Sister Rupa uns nach dem Fruehstueck anbot, sie und Sister Lavinia in den Supermarkt um die Ecke, hier in Hinganghat, zu begleiten. Der Supermarkt war klein und die Auswahl beschraenkt sich eher auf Snacks als richtige Nahrungsmittel, was uns alleriding ganz gut in den Plan passte. Der groessere Supermarkt, wo die Schwestern ihren woechentlichen Grosseinkauf machen, ist etwas weiter weg, meinte Sister Rupa. Waehrend die Schwestern eine riesige Dose scharfes Pickle und noch ein paar Kleinigkeiten besorgten, kauften wir uns ein paar Kekse und Snacks fuer den Hunger zwischendurch. Da der Tag immer sehr lang und anstrengend ist, bekommt man zwischen den Mahlzeiten richtig Hunger. Das sollte sich nun aendern. Die Kokoskekse sind auch wirklich besonders gut! Wir fanden es sehr interessant zu sehen, wie ein Supermarkt hier ausgestattet ist.

 

Schon am Dienstag darauf durften wir Sister Rupa, Sister Victoria und die aelteren 3 Candidates, die schon im 2. Jahr sind, nach Nagpur begleiten. Dort sollten wir zunaechst ueber den Markt gehen, bevor wir am Abend zum Anual Day die Montford School (einer befreundeten Bruederschaft) besuchen wuerden. Da wir allerdings erst so spaet losfuhren und der Verkehr uns noch weiter in Zeit zurueckwurf, mussten wir den Marktbesuch leider streichen und auf ein naechstes Mal verschieben. Das Programm, das von den 4000 Schuelern dieser riesigen Schule aufgestellt wurde, war fantastisch. Allein die Buehne war riesig, bestand aus 3 Ebenen und war von Scheinwerfern und Leuchten umgeben. Zwei riesige Kamerakraehne nahmen die gut besuchte Veranstaltung auf. Es wurde getanzt und gesungen, und es gab Tanz- und Schauspielauftritte mit themenbezogenen Slideshows im Hintergrund, z.B. das Thema Armut. Uns gefielen ausserdem die vielen Sprueche und Zitate, die auf dem Schulgelaende verteilt waren. Sowas haetten wir auch gerne in unseren Schulen gehabt. Uns fiel auf, dass die Jugendlichen keine indische sondern westliche Kleidung (enge Jeans, rueschige Blusen und laute Absaetze) trugen. Und auch sonst aehnelte die Jugend in ihrem Benehemen der deutschen sehr. Wir hatten wohl mit mehr indischem Einfluss gerechnet und beobachteten dies mit Interesse.  Nach einem schnellen Buffetessen (denn wir hatten noch eine lange Heimfahrt vor uns und es wurde allmaehlich spaet) fuhr uns der sehr nette Fahrer, den wir mittlerweile gut kennen, wieder alle zurueck zum Konvent.

 

Montag vergangener Woche war unser erster Tag im Kindergarten (worueber wir in einem weiteren Eintrag berichten werden). Doch schon um 10:15, wenn die grosse Pause beginnt, wurden wir von Sister Rupa mit der Ankuendigung ueberrascht, dass wir uns schnell fertig machen sollten, denn wir wuerden in 10 Minuten mit Sister Victoria und dem Office Leiter schon wieder nach Napgpur fahren. Diesmal mit der Absicht, Geld fuer unsere anstehende Reise in den Sueden Indiens (wahrscheinlich Anfang/Mitte Februar) umzutauschen. Die Aktion fand so spontan statt, weil Unterlagen fuer einen Rechtsfall dringend zum Supreme Court gebracht werden mussten. Ausserdem musste noch Papier fuer die anstehenden Examen der High School besorgt werden. Wir rannten also zurueck zum Konvent, suchten uns in groesster Eille genuegend Geld aus unseren verschiedenen Depots/ Verstecken zusammen, packten es in unsere Taschen und rannten wieder zurueck zur Schule, wo der Fahrer bereits stand. Zunaechst gaben wir die Dokumente im Supreme Court in Nagpur ab, und tauschten danach unser Geld um. Mal wieder war dies ein grosser Akt und die zustaendige Sekretaerin sich alle Zeit der Welt liess und die Unterlagen in einem Schneckentempo bearbeitete. Wieder fiel uns der Unterschied zwischen der Qualitaet indischer und deutscher Dienstleistung auf. Entsprechend konnten wir erst nachmittags zu Mittag essen. Das Restaurant war klein und sauber und das Essen war sehr lecker. Der Officeleiter suchte ein paar Currys aus, die wir uns alle, wie es in Asien ueblich ist, teilten. Uns schockierten hingegen die schmutzigen, fuer Indien typischen Hocktoiletten. Als letztes fuhren wir in die „Papier-Strasse“ Nagpurs, in der wir Papier fuer die anstehenden Examen kauften. Der ganze Kofferraum war bis zur Decke gefuellt! Die Strassen, durch die wir fuhren, lagen abseits des uns bekannten, moderneren Zentrums. Wie es in Asien haeufig der Fall ist, hatte jede Strasse andere Gueter zu bieten, z.B.: Papier-Strasse, Schuh-Strasse, Motorradrepair-Strasse usw. Die vielen eindrucksvollen Bilder von Rikshas, ausdrucksstarken Gesichtern, Armut und die Farbenpraechtigkeit sind uns in Erinnerung geblieben. Es war ein sehr schoener Ausflug, da wir auch viel von Sister Victoria erfuhren. So zeigte sie uns u.A. die Universitaet, an der sie bis vor einem Jahr studiert hatte.

 

Am Donnerstag, den 29.1., besuchten wir mit Sister Nirmala, Shruti, Rani und Nutan, und dem Priester, Father Shibu, zum Anual Day der St. Augustin National School. Das Programm war das bisher beste. Die Taenze, lustigen Sketches und kurzen Theaterstuecke waren thematisch immer voneinader abgegrenzt und ueberraschend gut umgesetzt. So kam nach einem Piratentanz ein Sketch ueber Schule und danach wurde das Thema „girl child rape“ in einem paar Szenen aufgegriffen. Es wurde nie langweilig! Wie ueblich gab es nach dem Programm auch ein Buffet fuer alle Schwestern und Priester mit Chapati (dem super leckeren Fladenbrot, von dem wir nie genug kriegen koennen), Dal Curry (das Standard Linsen Curry) und einem zuckrig suessen Nachtisch. Dabei trafen wir noch zwei Indische Schwestern aus Berlin, die gerade wieder ihre Heimat besuchten! Und wieder fiel uns auf, wie komisch es ist, wieder mit jemand anderem auf Deutsch sprechen zu koennen. Auch dieser Abend war ein besonders schoener.

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