4. Advent, Weihnachten und Silvester

Da wir ueber die Weihnachtstage kein Internet hatten, berichten wir jetzt ueber alles in Einem.

Am 4. Advent fand das sogenannte Carol Singing statt, das mit unserem Sternensingen im Januar vergleichbar ist. Der einzige Unterschied besteht darin, dass sie nicht verkleidet sind und ein verkleideter Weihnachtsmann (der vollkommen kitschig aussieht) sie anfuehrt. Einige musikalische Schwestern und Candidates unseres Konvents besuchten mit 2 Priestern alle Konvente im Umkreis und segneten die Kirchen und Kapellen. Nach einigen Stunden sangen sie auch vor unseren Krippen. Wir haben auch mehrere deutsche Weihnachtslieder vorgesungen, worueber sich die Kirchengemeinde sehr gefreut hat. Danach gab es bei uns suessen indischen Kaffee und Kuchen.

Am Vorabend vom 24.12. schmueckten wir in einer Nacht- und Nebelaktion den gesamten Konvent mit buntem Lametta. Wie immer waren wir ueberrascht ueber die Spontanitaet mit der die Inder solche grossen Aktionen angehen. Erst kurz vor knapp, um 11 Uhr abends, fiel Sister Victoria ein, dass fuer den naechsten noch geschmueckt werden musste. Wir waren sehr froh, dass wir durch unsere Groesse wesentlich dazu beitragen konnten und dass durch die Deko nun endlich eine schoene Weihnachtsstimmung aufkam.

Am Weihnachtsabend selbst waren wir 3 Stunden (!) in der Messe, die von 19-22 Uhr ging. Wie immer verstanden wir kein Wort, da auf Hindi gesprochen wird. In unserer wohnzimmergrossen Kirche hatten sich zu diesem Anlass um die 100 Glaeubigen aus verschiedenen Konventen und aus der Gemeinde Hinganghats versammelt. Folglich sassen wir alle wie Sardinen in der Dose gequetscht auf dem Boden und wegen des uebermaessigen Weihrauch Qualms schnappte jeder gefuehlt nach etwas Frischluft. Sehr schoen fanden wir hingegen den Lichterzug, der nach der ersten Stunde um den Garten herum stattfand. Jeder bekam eine kleine Kerze in die Hand, sogar die 4 jaehrigen, es wurden Weihnachtslieder auf Hindi gesungen und wir zogen los. Es war ein wunderschoener Anblick, wie die 100 Lichter vorbeizogen.

Hingegen unserer Erwartungen, dass wir nach der Messe Heilig Abend bei einem grossen Essen (wie es hier bei Feierlichkeiten ueblich ist) mit den Schwestern im Konvent feiern wuerden, versammelte sich die Gemeinde bei Kaffee und Kuchen vor der Kirche. Es wurde gesungen, getanzt und viel geredet und gelacht. Bei den Taenzen handelte es sich um einfache traditionelle „tribal dances“, die alle, vor allem die Kuechenmaedchen, kannten. Das Abendessen um 23 Uhr fiel entsprechend klein aus. Dafuer war das Essen morgens, mittags und abends am ersten Weihnachtstag umso besser. Es gab sogar Nudeln! Da wir sonst immer Reis essen, war die Sehnsucht nach Nudeln immer mehr gewachsen. Umso mehr freuten wir uns!

DIe „Beschehrung“ fand nur im kleinen Kreis (also zu 2.) bei uns im Zimmer statt, genauer gesagt an unserem weihnachtlich geschmueckten Tisch. Der Stuhl wurde wie an jedem Adventssonntag geteilt. Die Schwestern hatten bereits beim Fruehstueck (waehrenddessen wir noch geschlafen hatten) ihre Geschenke ausgetauscht. Bei Kerzenlicht und Weihnachtsmusik vom Handy freuten wir uns sehr ueber die Briefe von Familie und Freunden und ueber das Geschenk der Schwestern. Wir hatten nun doch was zum auspacken! Wir bekamen beide Stoff fuer ein indisches Outfit, was von der Naehschullehrerin nebenan zunaechst genaeht werden musste. Heute haben wir es zum ersten Mal an. Wir hatten natuerlich auch an ein Geschenk fuer die Schwestern gedacht, dennoch haben wir uns sehr ueber die Ueberraschung gefreut.

Am ersten Weihnachtstag standen die Tueren des Konvents fuer Schueler und Lehrer der Schule offen, die neugierig auf die riesengrosse Krippe waren oder den Schwestern Merry Christmas wuenschen wollten. Den ganzen Tag trudelten Besucher ein, es gab Kuchen en masse und natuerlich den typisch suessen Tee. Wir genossen den 2. Weihnachtstag und den freien Samstag sehr, bevor die Schule am Montag wieder anfing.

Silvester wurde wie Weihnachten mit einer langen Messe bis 23:45 gefeiert, wonach es draussen wieder Kaffee und Kuchen gab. Kurz vor Mitternacht starteten wir 2 mit den Maedchen vom Boardinghostel und den Candidates einen Countdown. Zwar waren es noch 4 1/2 Stunden bis Silvester in Deutschland, dennoch waren unsere Gedanken an diesem Abend bei unseren Freunden und Familien. Silvester haetten wir gerne in Deutschland verbracht, denn wir konnten nur kurz bei den Tribal Dances mittanzen, da am naechsten Morgen wieder regulaer Schule war.  Eine schoene Tradition hingegen fanden wir, dass die 2 Kuechenmaedchen uns alle im Konvent erwarteten und uns allen zu unserer Ueberraschung blauen Glitzer ins Gesicht schmierten.

 

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