Christmas Play

Bei jedem groesseren Fest uebernimmt hier in der Schule eine Klassenstufe das feierliche Assembly Programm. Das diesjaehrige Weihnachtsprogramm wurde von den 2ten Klassen uebernommen. Neben verschiedensten Taenzen und Reden bildete das Christmas Play den Hoehepunkt. In den Wochen davor hatten wir die Aufgabe, den Kindern die Weihnachtsgeschichte zu erklaeren und es mit ihnen einzustudieren. Da die meisten Schueler Hindis sind, koennen sie nichts mit den Begriffen des Engel Gabriels und Bethlehem anfangen. Unseren 13 Schauspielern und 3 Lesern mussten wir also erstmal die Geschichte beibringen und erklaeren. So kam es dazu, dass die eine Leserin z.B. immer „Jesus was born a manager“ anstatt „Jesus was born in a manger“ vorlies. Sie konnte zuerst gar nicht verstehen, warum die junge stellvertretene Schulleiterin Sister Victoria und wir so sehr lachten.

Die Proben waren immer nachmittags und die Kinder waren schon unkonzentriert und wollten lieber spielen. Umso groesser war fuer uns die Herausforderung, die Kinder fuer  das Stueck zu begeistern. Doch wir haben es geschafft und sie waren alle sehr stolz nach dem Auftritt! Fuer uns war es natuerlich auch nicht immer einfach, aber wir hatten viel Spass, besonders bei den Pannen. Der in der ganzen Schule fuer sein suesses Gesicht wie auch seinen unverschaemt frechen Charakter bekannte Ishan, brachte uns mit seinem Dauerfehler immer wieder zum ungewollten Lachen. Er spielte den einen Wirt und hatte nur die Aufgabe Maria und Joseph die Tuer zu oeffnen, seinen Kopf zu schuetteln, um zu signalisieren, dass alle Betten belegt waren, und die Tuer wieder zu schliessen. Doch wenn er mal nicht gerade seinen Einsatz verpasste, war er so engagiert dabei seinen Kopf zu schuetteln, sein Arme wild zu ueberkreuzen und laut „No no no, no place, no no no!“ su sagen, dass er ganz vergass die Tuer wieder zu schliessen. Maria und Joseph konnten also immer minutenlang warten, bis Ishan sein Solo, das er voller Ueberzeugung und mit einem ausdrucksstarken Gesicht ueber die Buehne brachte, beendet hatte und sie zum naechsten Wirt weiter ziehen konnten. Zwar konnten wir nicht fassen, wie oft er diesen Fehler immer wieder machte, dennoch lagen wir jedes Mal auf dem Boden vor Lachen. Als wir eines Abends den Schwestern davon erzaehlten, bekamen wir noch viele weitere Geschichten ueber ihn zu hoeren.

Neben der mangelnden Kenntnis der Weihnachtsgeschichte, war die Kommunikation eine weitere Herausforderung. Neben Englisch lernen die Kinder in der 2. Klasse auch Hindi und Maharati, weswegen ihr Englischniveau nicht allzu hoch ist. Trifft man nicht den genauen, ihnen bekannten Wortlaut (/Formulierung) verstehen sie einen oft nicht. Folglich fand ein Grossteil unserer Anweisungen ueber Zeichensprache statt. Praktisch war, dass ein paar Kinder relativ gut Englisch konnten und sie ihren Mitschuelern die Anweisungen uebersetzen konnten. Immer wieder lustig war es, wenn wir den Schuelern eine Trink- und Toilettenpause geben wollten. Nach der Ankuendigung kamen trotzdem noch Einzelne zu uns, um sich eine Toiletten- oder Trinkgenehmigung (wie es hier waehrend des Unterrichts ueblich ist) einzuholen. Wegen der Sprachbarriere, verstanden sie oft nicht, dass sie in ihren Pausen von unseren Anweisungen und Erlaubnissen befreit waren und eben „Pause“ hatten! Es irritierte uns immer wieder.

Der Auftritt selbst war am 23. Dezember vor der gesamten Schule. Die halbe Stunde davor verbachten wir damit unsere Schauspieler und Vorleser zusammenzusuchen und in ihre Kostueme zu stecken. Die Hirten wuselten so aufgeregt herum, dass ihre Umhaenge immer wieder verrutschten und sie uns darum beten mussten, sie zu richten. Doch kurz vor Knapp standen alle bereit in ihren Positionen und wurden noch einmal an ihre Einsaetze erinnert.
Jesus wurde zur unserer Erleichterung in einem „manger“ und nicht als „manager“ geboren! Dafuer vergass Maria aber nach ihrer Geburt das Jesus Kind auf die Buehne zu holen und wiegte das unsichtbare Kind in ihren Armen. Jesus lag in der Ecke bis Ishan sich die Puppe schnappte und mit ihr pflichtbewusst ueber die Buehne huschte und in Marias Arme fallen liess! Die Schwestern atmeten alle (trotz wohl stattgefundener Gehirnerschuetterung) auf, dass Jesus nun doch sicher in Marias Armen lag. Auf Wunsch der Lehrerinnen und Schwestern sollten wir das Stueck mit 4 passenden Weihnachtsliedern an entsprechende Stellen begleiten. Deswegen konnten wir das Stueck nur mit einem Auge verfolgen und nicht eingreifen. Aber alles in allem lief es sehr gut und unserer Meinung nach waere es ohne Patzer nur halb so interessant gewesen. Wir bekamen von allen Seiten Lob zu hoeren und uns wurde danach sogar ein kleines Geschenk am Weihnachtsessen der Lehrerschaft ueberreicht. Da es sich um Schokolade handelte, war unsere Freude umso groesser. Wie man sich vorstellen kann, wird der Inhalt streng rationiert, damit die Freude moeglichst lange anhaelt.

Ueber unsere Eindruecke vom indischen Weihnachten und Silvester erzaehlen wir das naechste Mal.

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