Ausflug nach Nagpur

Bitte entschuldigt, dass wir lang nichts von uns haben hoeren lassen; wir hatten eine Woche kein Internet.

Am 8. Dezember sind wir mit Sister Roopa und Sister Nirmala mit dem Auto nach Nagpur gefahren, um indische Kleidung fuer uns zu besorgen. Schon die Hinfahrt war sehr eindrucksvoll: mit Kuehen, Ziegen, Strassenhunden und sogar einer Wildschweinfamilie, die mitten in der Vorstadt lebte! Auch das Gewusel auf der Strasse ist total unuebersichtlich. Jeder faehrt so wie er will und es wird andauernd gehupt. Wir sind sogar ein Stueck weit entgegen der Fahrtrichtung auf einer Autobahn gefahren, nur um schneller die Einfahrt einer Einrichtung des Johannesbundes zu erreichen. Einen Moment lang hatten wir wirklich Angst!
Bei der Einrichtung handelte es sich um ein Heim fuer geistig Behinderte, die von der Strasse aufgesammelt worden waren. Die Gebaeude sind nur wenige Jahre alt und sind von einem wunderschoenen Garten umgeben. Vor dem Eingang befindet sich ein Rosengarten, der uns an Europa erinnert hat. Skurril war jedoch, dass sich dahinter eine Palmenplantage befand. Ein sehr witziges Bild!
Wir haben die wenigen Bewohner des Heims, die nicht auf dem Feld arbeiteten, gegruesst. Sie haben sich sehr daruebergefreut, europaeische Gaeste willkommenheissen zu duerfen. Eine Frau war besonders angetan und hatte ein breites Laecheln im Gesicht, als sie unsere Haende fuer ein paar Minuten hielt. Der Priester, der die Einrichtung leitet, erzaehlte uns ihre Geschichte: sie wurde vor nicht allzu langer Zeit von der Strasse geholt. Ihr wertvollster Besitz war eine Ziege, die sie immer begleitete. Die Einheimischen, die sie in die Einrichtung brachten, nahmen ihr die Ziege ab. Im Heim trauerte sie ihrer Ziege so sehr nach, dass ihr der Priester irgendwann eine kleine Ziege schenkte, um die sie sich nun ruehrend taeglich kuemmert. Die verschiedensten Geschichten der Bewohner beruehrten uns sehr und wir waeren gerne laenger bei ihnen geblieben, jedoch musste wir weiter nach Nagpur.

Zuerst tauschten wir in einer Bank Geld um. Es herrschte sichtlich Chaos darin und die vielen Menschen standen Schlage. Die gruenen Metallschraenke waren alt und staubig und wir fuehlten uns etwas beaengt. Nicht zuletzt, weil wir von allen Menschen angestarrt wurden. Schockierend fanden wir, dass es fuer Maenner und Frauen unterschiedlich gute Angebote fuer Darlehen gab! Gerne haetten wir ein Foto von den Postern gemacht, das war aber leider verboten. Dass Frauen im 21. Jahrhundert immer noch auf diese Weise diskriminiert werden, finden wir beide erschreckend.
Auf der Fahrt zum Einkaufszentrum lachten wir ueber unsere Haufen von Geldscheinen, welche wir zu verstauen versuchten. Denn wir hatten alles in 100 Rupien (1,20Euro) Scheinen erhalten!

Entgegen unserer Vorstellungen fuehrten die Schwestern uns nicht auf einen traditionellen Markt, sondern in ein grosses westliches Einkaufszentrum. Dort durften wir uns zwei indische Outfits aussuchen, die aus Bluse, Hose und passendem Schal bestehen. Ploetzlich ging jedoch das Licht aus. Mal wieder ein Stromausfall! Dadurch wurde unser Einkauf zu einem sehr witzigen, aber auch schwierigen Erlebnis. Mit Hilfe von Taschenlampen erahnten wir Farben und Muster. In der Umkleide herrschte absolute Dunkelheit, dass eine von uns die erste Bluse verkehrt herum anzog, was die Schwestern und Verkaeuferinnen besonders lustig fanden.
Auf der Rueckfahrt assen wir Samosas und frische Mandarinen und waren Muede von all den Eindrueken des Tages.

Im Konvent wurde abends der Feastday (Namenstag) der Oberin Sister Nirmala mit besonders leckerem Essen gefeiert. Der Feastday wird von den Schwestern groesser als der Geburtstag gefeiert, schliesslich handelt es sich um die christlichen Namenspatronen. In diesem Fall: Maria.

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